Blutkoppe// Erste Ziele

Das letzte Wochenende war wieder einmal ein superschönes. Zusammen mit den anderen Freiwilligen aus Swakopmund sind wir mit Jens, dem Verantwortlichen für die DRKler, zur Blutkoppe gefahren. Zunächst einmal haben wir also alle unser Gepäck für die Übernachtung auf einem Pick-Up festgeschnallt und dann auch noch uns dazugequetscht, bevor es Samstagmittag losging.

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Hier in Namibia ist es unglaublich, in welche Weiten man blicken kann, ohne auch nur eine Erderhebung zu sehen. Man kann eine gefühlte Ewigkeit fahren, ohne zu merken, dass man vorankommt. Diese Weite hat etwas sehr Friedvolles und entspannt sehr.

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An der Blutkoppe angekommen machten wir uns ans Erklimmen des Berges Hügels. Laut Jens würden wir nämlich drei Stunden lang hinauf klettern um dort dann in einer Höhle zu übernachten. Es mag einigen zwar wie drei Stunden vorgekommen sein, ich bin mir aber auch ohne Uhr sicher, dass wir höchstens eine halbe Stunde unterwegs waren.

p1010263p1010264 Der Ausblick von oben war trotzdem schön an zu sehen und die großen Höhlen in der Höhe waren auch sehr cool. Nachdem die ersten Fotos geschossen waren, machten wir uns direkt ans Braaien, denn hier vergeht kaum ein Wochenende ohne Braai. Von Wurst, oder in meinem Falle Maiskolben gestärkt, kletterten wir für den Sonnenuntergang auf die Höhle und erlebten ein wunderbares Farbspiel. Ich könnte euch mit einigen Fotos zu spamen, aber die Stimmung werden sie trotzdem nie so ganz erfassen können.

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p1010323p1010339Als die Dunkelheit hereinbrach, sahen wir einen Sternenhimmel, den es in Deutschland so nie geben wird. Dieses Gefühl, als wir auf einem Felsenvorsprung lagen, in den Sternenhimmel schauten und der Ruhe lauschten, werde ich nie vergessen. Ich finde, die Natur hilft am besten richtig ab zu schalten und da ich auch mein Handy sowie meine Uhr zu Hause gelassen hatte, konnte ich mich total entspannen. Nach einigen Lagerfeuergeschichten, Black Stories und Gesangseinlagen gab es um Mitternacht dann Geschenke, ein Ständchen und Kuchen für Tamara, die am Sonntag 19 wurde. Gegen 2 legten wir uns auf unsere mitgebrachten Matratzen unter die Sterne und ließen uns am nächsten Morgen von der Sonne wecken. Der Abstieg war sehr viel leichter als der Aufstieg und gegen Mittag war der Pick-Up wieder beladen und wir auf dem Weg nach Gontiekontjes. (Das ist zu 100% falsch geschrieben, ich erinnere mich aber nicht mehr an den genauen Namen..) Auf dem Weg machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Mondlandschaft. Echt irre, wie sehr sich das Landschaftsbild dann doch verändern kann!

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In Gontiekontjes gab es neben einer kleinen Stärkung auch eine große Abkühlung. In voller Montur sprangen wir in den Pool und ließen uns danach von der Sonne wieder trocken scheinen. Die heiße Sonne war nach dem doch immer noch sehr frischen Wind in Swakop echt angenehm, es kam endlich einmal Sommerfeeling auf. Gegen Abend fiel ich dann ziemlich müde und entspannt in mein Bett.

 

p1010410Wie sich herausstellen sollte, war es ganz gut, dass wir am Wochenende so viel Kraft tanken konnten, denn die folgende Woche sollte sehr anstrengend werden. Doch von Anfang an. Nach zwei Monaten in Swakop hatten Daniel und ich uns die ersten Ziele gesetzt, die wir möglichst bald erreichen wollen. Diese sind:

  • Integration der Schüler der Leichtathletik-AG der Festus !Gonteb Primary School in unser Nachmittagstraining am Stadion Bisher sind zu dem Training für die U7 bis U12, welches wir am Montag und Mittwoch geben, nur deutsche und afrikaanse Kinder gekommen, seit die afrikaanse Schule Pro-Ed verpflichtend Leichtathletik gibt, sind es nur noch deutsche. Das wollten wir ändern und unsere Arbeit auch den weniger privilegierten Kindern aus Mondesa zugute kommen lassen.
  • Reparatur des Spielplatzes an der Festus !Gonteb Nicola und Bene, unsere Vorfreiwilligen, haben am Ende ihres Jahres einen Spielplatz gebaut, auf dem die jüngeren Kinder in der Pause und bei gutem Benehmen auch am Ende einer jeden Sportstunde spielen dürfen. Das war eine super Sache, mittlerweile zeigt sich aber, dass die Haken zum Hangeln gerissen, die Reifen, die die Wippe abfedern, abgefallen und die Halterung der Schaukel durchgerieben sind. Wir wollen nun eine langfristige Lösung finden.
  • Einrichten einer Deutsch-AG Da mich viele Schülerinnen schon darum gebeten haben, wollte ich gerne eine AG anbieten, in der ich den älteren Kindern Deutsch beibringe. Von meinen ersten Versuchen beim Lehrerstreik hatte ich euch ja schon berichtet.
  • Öffnen der Leichtathletik-AG auch für andere Schulen Neben unseren Schülern sollen auch andere Schüler kommen dürfen/ einen Extratermin für eine eigene AG erhalten.

Am Montag setzten wir das erste Ziel in die Tat um. Nach dem Unterricht und der Leichtathletik-AG blieb ich in der Schule und nahm zusammen mit den fünf Kindern, welche wir auch schon in der vorigen Woche zu dem Domeevent mitgenommen hatten, den Weg zum Stadion auf mich. Da wir ein Mädchen noch an ihrem Zuhause abholen mussten, waren wir tatsächlich eine stunde und zwanzig Minuten unterwegs. Und das für einen Weg, für den ich mit dem Fahrrad höchsten eine Viertelstunde benötige.. Ich hatte befürchtet, dass die Kinder nach dem Dome Classic eine hohe Erwartungshaltung haben würden und ihnen vorher erklärt, dass es „nur“ ganz normales Training geben würde. Meine Angst war aber vollkommen unbegründet, als ich sie wieder nach hause begleitete, erzählte Nbeleleni mir, dass dies der „happiest day of my life“ gewesen sei. Wie schön, wenn man mit so einfachen Dingen so eine Freude bereiten kann! Abends war ich von der ganzen Rennerei allerdings todmüde und weiß nicht, wie ich das Kickboxen überstanden habe. Am Mittwoch wollte ich nicht den gesamten Tag an der Schule verbringen, da dort keine AG stattfindet und ich somit 2 Stunden hätte warten müssen. Also machte ich einen Treffpunkt mit den Athleten aus, was sehr einfach war, und eine Uhrzeit, was nicht so einfach war, da die Kinder keine Uhren besitzen. Als ein Mädchen dann aber sagte, sie könne auf dem Handy ihrer Mutter schauen, war das Problem gelöst und so radelte ich zur ausgemachten Zeit nach Mondesa.. um niemanden anzutreffen. 40 Minuten habe ich gewartet, bin noch durchs Township gefahren und habe gesucht um dann ziemlich enttäuscht zum Training zu fahren.. und dort unsere fünf Athleten an zu treffen! Sie erklärten mir, sie seien schon eine Weile da und wären ein wenig gerannt. Ich war erstmal baff (ich war ja auch zu blöd, um auf mein Handy zu gucken, Daniel hatte mich längst angerufen und wollte mir Bescheid geben). In Deutschland würde wohl kaum ein zehnjähriges Kind durch die gesamte Stadt inklusive Hauptstraße laufen, nur um an einem Training teil zu nehmen. Das Training war super, denn da die deutschen Schüler am Montag frei hatten, waren wir am Montag nur zu sechst, diesmal aber waren einige Kinder da und es war so schön zu beobachten, wie die Kinder direkt ungeachtet ihrer Hautfarbe miteinander zu spielen begannen. Dieser Punkt ist also erfüllt und in den nächsten Monaten möchten wir noch weitere Athleten auswählen.

Bezüglich des Spielplatzes haben wir noch einiges vor uns. Eine Schaukel wurde schon wieder repariert, nun ist aber der Haken, der im obrigen Holzbalken befestigt ist, kaputt und die Reparatur wird etwas komplizierter. Wir wissen schon, wer uns helfen kann, müssen uns um die genaue Umsetzung und Finanzierung aber noch kümmern.

Die Deutsch-AG sollte nun eigetlich gestern zum ersten Mal „richtig“ stattfinden. Nun wurden aber alle Kinder zwei Schulstunden vor eigentlichem Unterrichtsende nach Hause geschickt.. Da ich dem Schulleiter in der Woche aber einige Male auf die Nerven gegangen war, um einen Schlüssel für einen Klassenraum zu bekommen und die AG in allen Klassen angekündigt sowie den Unterricht vorbereitet hatte, habe ich mir kurzerhand die übrigen Kinder, die noch nicht gegangen waren und Lust hatten, geschnappt und bis eine halbe Stunde nach Schulschluss Deutsch unterrichtet. Ich hoffe, dass ich dann in der nächsten Woche endlich einmal alle Interessierten begrüßen kann. Dieses Ziel wurde von meiner Seite also auch erfüllt.

Wegen der Erweiterung der Leichtathletik-AG haben wir uns bereits mit Til und Lennart, den volunta-Freiwilligen der Nachbarschule (Vrederede Primary School), besprochen. Der Schulleiter hat nichts dagegen. Starten wollen wir aber erst im nächsten Term, da nur noch wenige Wochen in diesem Schuljahr verbleiben. Es ist also in die Wege geleitet und wird hoffentlich auch durchgesetzt!

Insgesamt bin ich ziemlich zufrieden mit dem, was wir schon erreicht haben und hoffe, dass es so weitergeht!

Neben meinen Irrungen durchs Township und meinen ersten Sprachlehrversuchen hat mich vor allem die Notenvergabe diese Woche eine Menge Kraft gekostet. Erst Anfang der Woche haben wir erfahren, dass die Examen der älteren Klassen bereits in der nächsten und übernächsten Woche starten und daher die Sportnoten bis dahin eingetragen sein sollten. Die Note setzt sich aus einem Practical Part (Participation, Presentation, Practical), einem class test (Mark, Completeness, Presentation) und einem Projekt (knowledge, neatness, completeness, research) zusammen. So waren wir in jeder freien Minute mir der Korrektur von Tests, Projekten, dem Übertragen in Tabellen und der Auswertung der Practical Parts (Grade 5. throwing, Grade 6/7. Coopertest und 50m-Sprint) beschäftigt. Jetzt ist aber ein Großteil geschafft und ich habe wieder Zeit, mich meiner Wäsche und dem leichten Staubfilm auf meinen Schränken zu widmen (Yay!).

Da ich in dieser Woche nicht die Zeit gefunden habe, etwas für meinen Blogpost vor zu bereiten und gestern nach dem Schwimmen direkt zu Tamaras Geburtstagsfeier eingeladen war, erscheint dieser Blogpost erst heute, ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen.

Ich wünsche euch allen eine stressfreie und herbstliche Woche, liebe Grüße aus dem immer noch zu windigen Swakop!

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